![]() |
||
|
Weltmusiker Hamid Baroudi reist um die Erde zum Musiksammeln und Musizieren. Seine Botschaft: Kulturelle Grenzen sind durchlässig. Ein Leben wie ein Weltempfänger. Die Sprachen und die Musik der Welt sind nur einen kleine Bewegung des Drehknopfes am Radio entfernt. Kaum merklich fließen sie ineinander: Die zeitlos-schönen Weiten der Sahara, die lebhafte Teestube in Algier, die Vorstädte von Paris, die Multikultur in Berlin, die Beschaulichkeit Kassels. Hamid Baroudis Leben hat die Vielfalt, Rasanz und Selbstverständlichkeit eines Weltempfängers. Er beweist, dass die Erde klein ist, dass vermeintlich Fremdes nah beieinander sein kann. Hamid Baroudi ist weltweit bekannt als Komponist, Sänger, Musiker und Produzent von Weltmusik, Ethno-Pop, Hiphop. Er arbeitet in New York, nimmt in Großbritannien an einem Festival teil, besucht seine Plattenfirma in Berlin, schlüpft zur Erholung bei der Familie in Algier unter, zieht mit Freunden durch die Pariser Clubs, forscht in Ägypten nach Drehorten für sein neues Video. Und zwischendurch kommt der weltweit erfolgreiche Musiker gern zurück zu seiner Basisstation nach Kassel. Zur Freundin, zu Kater Sammy, zu seinen Kumpels. Nach Hause in die Altbauwohnung, wo sich Regale unter den CD-Stapeln biegen. Wo die Engagements aus dem Faxgerät flattern und scheinbar unachtsam in der Ecke gestapelt werden. Wo die Wände bedeckt sind mit Bildern aus Afrika. In diesen Tagen ist er mit seiner Band bei einem weltweiten Treffen gegen Rassismus in Südafrika. Er wurde als Repräsentant Deutschlands ausgewählt. In Zukunft werden alle kulturellen Grenzen durchlässiger, sagt Hamid Baroudi und lebt selbst schon lang dieses Leben. 1984 kam er nach Kassel und studierte visuelle Kommunikation. Er wurde Frontmann der Band Dissidenten, die als Vorreiter der Weltmusikbewegung galt. Verließ sie nach sechs Jahren wieder und startete eigene musikalische Projekte. Wollte sich nicht reinreden lassen. Hamid Baroudi verzichtet lieber auf die großen Plattenfirmen, den ganz großen wirtschaftlichen Erfolg. Für die Gewissheit, seine Arrangements bis zur letzten Note selbst erfinden zu können. Mit Erfolg: Sein erstes Album City No Mad erreichte 1994 Platz Eins in den europäischen Weltmusik-Charts. Auf seinem letzten Album Five macht er das Weltempfängerprinzip zum Konzept: Er singt in fünf Sprachen: Englisch, Französisch Spanisch, Arabisch und dem westafrikanischen Wolof. Er mixt Stile, rappt hier auf Englisch zu swingendem Orientsound, schmettert da eine arabeske Tongirlande, schneidet dort Radiowortfetzen in seinen Song. Hamid Baroudi ist ein Mann mit Mission. Er will Deutschland zu einem Garten der Weltmusik machen. Im Moment ist Deutschland eine Wüste, sagt er und schaut so entschlossen drein als gelte es, auf der Stelle Radiostationen zu entern, damit die mehr Ethno-Musik spielen. Hamid Baroudi weiß, dass er ein gefragter Musiker ist. Er kann es sich leisten, nur alle paar Jahre ein neues Album herauszubringen, wie in ein paar Wochen Sidi. Ich möchte, dass die Leute sagen: Hamid, das ist ein Meisterwerk. Darunter macht Baroudi es nicht. Darunter macht er nichts in seinem Leben. Noch nicht mal Kochen. Kochen gehört zu den großen Leidenschaften des Weltmusikers: arabisch, französisch, spanisch. Dann kommen die Freunde in die kleine Wohnung zu Besuch, der Kater versucht zu schnorren, es wird geredet in allen möglichen Sprachen. Und nachts, wenn die Besucher weg sind, zieht sich Hamid Baroudi nochmal eine Jacke über und streift durch die Straßen. Das ist Inspiration. Endlos stromert er um die Kasseler Häuser, immer mit dem Diktiergerät in der Tasche, um keinen Einfall in den Gully des Vergessens sickern zu lassen. Hamid Baroudi ist zuversichtlich, seine Mission umzusetzen: Ich habe bisher alles verwirklicht, was ich mir in meinem Leben vorgenommen habe, sagt der 38-Jährige. Nicht nur lebt er selbst ein energiesprühendes Konglomerat aus Sprachen und Kulturen. Er hat auch ein waches Ohr für das, was weltweit musikalisch passiert. Und dass Musik zur Völkerverständigung beiträgt, dass betont dieser selbstbewusste Mann mit dem Charme des Erfolgreichen erst gar nicht. Diese Überzeugungskraft des Authentischen will Baroudi in der Musik vermehren. Mit einer fast nostalgischen Verehrung des Nicht-Kommerziellen: Weltmusik muss dreckig und unpoliert sein, dann ist sie echt, sagt er und lehnt Projekte wie von Paul Simon oder Sting ab, die mit afrikanischen und südamerikanischen Bands zusammengespielt haben. Was heißt zusammengespielt, sagt er verächtlich. Die haben deren Bänder in ihre Aufnahmen reingeschnitten. Der Algerier lernt neue Musik anders kennen: Ich muss schmecken, was die Leute schmecken, ich muss riechen, was sie riechen, ich muss leben, was sie leben. Dann kann ich mit ihnen Musik machen. Das war vor ein paar Wochen geplant in Kanada bei einem Projekt mit Ureinwohnern. Nur gab es kein Visum für den Algerier, das Festival musste abgesagt werden. Enttäuschung allerorten. Mittlerweile hat sich die kanadische Regierung entschuldigt. Hamid Baroudi will trotzdem keine europäischen Papiere. Die Hartnäckigkeit des Missionars. Meinen algerischen Pass aufzugeben wäre für mich eine Erniedrigung. Der Musiker schlägt einen anderen Weg ein: Er hat einen Appell formuliert und weltweit verschickt: Seid solidarisch mit Musikern, setzt euch dafür ein, dass wir nicht von Bürokraten an unserer Mission behindert werden. Mission. Alles was Baroudi tut, folgt dieser Mission. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er gewohnt ist, Erfolg zu haben. Selbst sein Kleiderstil ist wohl kalkuliert. Im Alltag zieht der schmale Algerier gern schwarze Sachen an, schwarzes Hemd, so weit aufgeknöpft, dass die karamellfarbene Brust hervorschaut. Schwarze Cargo-Hose mit vielen Taschen. Passend zu den glänzend schwarzen Locken. Aber auf der Bühne kleide ich mich wie ein Papagei, sagt er gelbgrün mit großflächigen Mustern. Wenn er mit Musikerkollegen kommuniziert, spricht Baroudi Englisch. Im privaten Gespräch bevorzugt er das Französische. Weich, fließend, schnell. Das passt zu seinem Denkstil, seiner Art zu fühlen. Auch im Deutschen hat er einen französischen Akzent, hüpft von Konsonant zu Konsonant, spricht manche Wörter französisch aus. Das geliebte musique zum Beispiel. Mit seiner Mutter redet er einen Sprachenmix aus französisch und arabisch. Singen tut er am Liebsten in Spanisch, diese Sprache singt selbst. Und träumen, träumen tut er nur auf arabisch. Ich bewahre die Kultur meiner Väter, sagt er stolz. Den Rai, die traditionelle algerische Musik, hat er nie gelernt, aber er kann natürlich den Rai singen und spielen. Diese Musik lebt in mir. Hamid Baroudi trägt seine Heimat im Herzen. Und ist ansonsten offen für Spannendes. Eben: ein Weltempfänger. Baroudi über ...... Ausländerfeindlichkeit Sowas brauchen nur Leute, die von der Welt noch nichts gesehen haben. Therapievorschlag: eine Weltreise. ... Kassel Erstaunlicherweise muss ich mich ständig rechtfertigen, warum ich hier lebe. Ich bin gern in Kassel. ... Künstler Leute wie wir haben die Aufgabe, für andere Menschen mitzudenken, mitzuriskieren, mitzuleiden. LebenslaufHamid Baroudi wurde 1963 in Algerien geboren. 1984 kam er nach Kassel und studierte visuelle Kommunikation. Gleichzeitig stieg er als Frontmann der Dissidenten ein. Sechs Jahre später trennte er sich von der Band und startete seine Solo-Karriere. Seitdem hat er zwei Alben veröffentlicht, das Dritte ist in Arbeit und wird in den nächsten Wochen erscheinen. Hamid Baroudi ist unverheiratet, fest verbandelt und lebt in Kassel. Bettina Fraschke | |
[top of page] [in deutsch] [info] [news] [biography] [discography] [photo album] [tour dates] [guestbook] [vielklang label] [vielklang homepage] © 1999-2004 Vielklang | |